Beratung

Das kritisch kranke Kind


Die plötzliche und unabwendbare Verletzung oder Erkrankung eines Kindes stellt die meisten Eltern und das soziale Umfeld der Betroffenen vor besondere Herausforderungen. Die Aufnahme ihres Kindes auf einer Intensivstation stellt für Eltern ein katastrophales Ereignis dar. Gefühle wie Schock, Angst, Einsamkeit, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Verzweiflung und sogar Panik können sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit führen. Durch ihre unabsehbare Dauer und den offenen Ausgang kann diese Situation Angst einflößen und existentiell bedrohlich sein. Dies fordert von den Eltern Anpassungsleistungen und von den begleitenden Personen unterschiedlichste Formen der Unterstützung.

Psychische Abwehrmechanismen wie Vermeidung, Verdrängung, Verleugnung und Rationalisierung dienen als Selbstschutz um eine Überschwemmung mit bedrohlichen Gefühlen zu vermeiden und zu entlasten. Informationen können, wenn überhaupt, nur stark verzerrt aufgenommen werden, irrationale und teilweise bizarre Reaktionen folgen. Verhaltensweisen wie Rastlosigkeit, Überaktivität oder Apathie sind in dieser Situation genauso normal wie körperliche Reaktionen wie Schwitzen, Herzklopfen und Atembeschwerden. Verändertes Zeitempfinden, ein Unwirklichkeitsgefühl, eingeschränktes Bewusstsein und Schwierigkeiten beim rationalen Denken sind ebenfalls durch Stressreaktionen des Gehirns verursacht.

Nach dieser initialen Schockphase kommen häufig Gefühle wie tiefe Traurigkeit, Sprachlosigkeit, Angst vor der Zukunft und die Schuldfrage auf. Das eigene Wohl wird hinten angestellt, was durch Schlaf- und Essstörungen noch zusätzlich belastet wird. Die Auswirkungen, die diese Stresssituation auf die ganze Familie haben kann, werden weiterhin unterschätzt.

Solche Stress- und Belastungsreaktionen sind bei Eltern während und auch nach dem Intensivaufenthalt ihres Kindes bis zu einem gewissen Grad und einer gewissen Dauer normal. Doch oft bestimmen psychische Belastungen noch lange Zeit nach dem Intensivaufenthalt das Leben der Angehörigen. Aktuellen Studien zufolge entwickeln viele Angehörige klinisch relevante psychische Symptome und können dadurch ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen ausbilden.

Tod eines Kindes


Während die meisten von uns irgendwann in ihrem Leben mit Trauer konfrontiert werden, ist der Tod eines Kindes einer der größten Verluste, den ein Mensch erleiden kann. Unsere Weltanschauung wird in Frage gestellt, da ein Kind nicht vor seinen Eltern sterben sollte. Der Versuch zu verstehen, was Sie gerade erleben, ist ein wichtiger erster Schritt im Umgang mit dem Tod Ihres Kindes.

In den ersten Tagen nach dem Tod Ihres Kindes werden Sie eventuell von Gefühlen wie Taubheit, Überforderung und tiefem Schmerz überrollt werden. Viele Entscheidungen sind zu treffen und eventuell haben Sie viele Familienmitglieder und Freunde um sich, die Ihnen durch die erste schwere Zeit helfen. Normalerweise werden Sie anfangs viele Anrufe und Besuche erhalten, doch mit der Zeit werden Ihre Freunde und Familienmitglieder wieder in ihren Alltag zurückkehren. Meist geschieht dies noch bevor Sie eine "neue" Routine für sich gefunden haben. Seien Sie achtsam und rücksichtsvoll mit sich selbst. Lassen Sie Ihre Trauer zu, sprechen Sie darüber und holen Sie sich Unterstützung und Hilfe dafür. Sie wissen selbst am Besten, was Ihnen guttut und wer Ihnen dabei helfen kann.

Trauer

Trauer ist Arbeit! Sie können sich erschöpft und ausgelaugt fühlen. Emotionen wie Traurigkeit, Wut, Einsamkeit, Angst und Schuldgefühle kommen in Wellen und Sie fühlen sich möglicherweise "ver-rückt". Diese Achterbahn der Gefühle ist eine normale Reaktion auf eine nicht normale Situation und bedeutet nur, dass Sie aus der Spur geworfen, ver-rückt wurden, und es Zeit braucht, um wieder Klarheit und Stabilität erlangen zu können. Geben Sie sich Zeit. Es geht nicht darum, Ihr Kind zu vergessen. Es geht darum, den Verlust Ihres geliebten Kindes in Ihr Leben zu integrieren und einen neuen Platz für es zu finden.



Begleitung & Beratung

Um durch so eine Ausnahmesituation nicht eine traumatische Krise zu erfahren bzw. an Folgeerscheinungen zu erkranken, bedarf es möglicherweise professioneller Begleitung und Betreuung. Die Komplexität einer solchen Krisensituation stellt auch an das Umfeld große Anforderungen.

Die Wichtigkeit und der Nutzen frühzeitiger, professioneller Unterstützung sind zwar bekannt, aber noch nicht ausreichend implementiert. Die psychosoziale Begleitung der Betroffenen während und nach einem potenziell traumatisierenden Ereignis hat vor allem sichernden und unterstützenden Charakter, deren Hauptziel es ist, Belastungen zu reduzieren, die Betroffenen wieder handlungsfähig zu machen und ihre Bewältigungsmechanismen zu aktivieren. Sie versteht sich als Unterstützung des natürlichen Verarbeitungsprozesses.


Haftungshinweis: Die Teilnahme an den Einzelsitzungen erfolgt eigenverantwortlich. Sie ist kein Ersatz für eine ärztliche, psychotherapeutische oder psychologische Behandlung. Sämtliche Informationen über Ihre Person werden natürlich streng vertraulich behandelt.


© 2021 Carmen Eckerstorfer, Website by Carmen Eckerstorfer